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Testleser

 

Zuerst will ich mich bei meinen Testleserinnen und meinem Testleser für die Zeit, Mühe und Arbeit bedanken, die Sie in meinen Roman gesteckt haben.

 

Mit Euch zusammen zu arbeiten, war unglaublich! Euer Feedback hat mein Buch zu einem so viel besseren Werk gemacht.

 

Vielen Dank dafür!

 

Testleser sind wie die Generalprobe im Theater. Niemand würde ein Stück aufführen, ohne im Vorfeld eine Generalprobe durchgeführt zu haben. Stimmt das Licht? Sitzt der Text? Und wie ist es mit den Kostümen? 

 

Genau so ist es auch beim Schreiben eines Romans. Du bist viel zu nah dran (nämlich mitten Drin) um selbst ein Urteil über dein Werk abgeben zu können. Deswegen brauchst du eine Auswahl von Menschen deines Vertrauens, die dir helfen Fehler zu finden. Denn genau darum geht es meiner Meinung nach. Dein Buch-Baby ist in der dritten oder vierten Fassung fertig (dazu später mehr) und du bist bereit es der Welt zu präsentieren. Nun musst du tapfer sein und dich auf Kritik einstellen.

Das heißt nicht, dass du dich in einen Bunker zurückziehen und den Stift aus der ersten Handgranate ziehen sollst, um abwurfbereit den Feind zu erwarten. Im Gegenteil! Lass sie kommen und empfange sie mit offenen Armen. Du willst Kritik! Du willst in diesem Stadium deines Projekts, dass Fehler gefunden, Dialoge hinterfragt und Motive in Frage gestellt werden. Denn genau das ist es, was aus deiner Geschichte ein noch besseres Buch werden lässt. 

 

Außerdem macht es riesig viel Spaß, sich mit Gleichgesinnten über deine Geschichte auszutauschen. Ich verspreche dir, es wird dich auf jeden Fall weiter bringen.  

 

Ich selbst habe mit fünf Testlesern gearbeitet. Wohlgesinnte, liebe Menschen, die alle ganz unterschiedlich an diese Aufgabe herangegangen sind. Aber genau dass war es, was dass Ganze so spannend gemacht hat. Der Profi würde vielleicht sagen, dass fünf viel zu viel sind. Am Ende ist es allein deine Angelegenheit und du musst auf dein Bauchgefühl hören. Mach das, was sich für dich gut anfühlt.

 

Worauf solltest du achten?

Die wichtigste Frage ist wohl: Für wenn hast Du deine Geschichte geschrieben? Wer ist deine Zielgruppe?

 

Es macht einen Unterschied ob Du einen erotischen Roman für Frauen in den Vierzigern schreibst, oder einen leichten Liebesroman für Mädels im Alter von sechzehn bis achtzehn. Ich empfehle Dir daher, such dir Testleser, die das Buch am Ende auch kaufen würden (theoretisch).

 

Meine Testleser bestanden zu 99% aus Frauen. Das eine Prozent bestand aus meinem Schatz. Mein Quotenmann, wenn man so will. Ich habe ihn nicht nur miteinbezogen, weil er mein Mann ist, sondern auch um zu prüfen, ob meine Geschichte aus männlicher Sicht Sinn macht und ob der Lesestoff beim männlichen Leser ankommt. Aber ganz unter uns: Die Zielgruppe ist doch eher weiblich geprägt. 

 

Außerdem schadet es nichts deinen Testlesern genaue Anweisungen mit an die Hand zu geben. Schließlich geht es hier nicht ums reine Lesevergnügen. Was erwartest du von deinen Testlesern? Wo sollen die Schwerpunkte liegen? Du darfst eine klare Richtung vorgeben, dass ist völlig in Ordnung. Vielleicht willst du einen kleinen Fragekatalog mitschicken? 

Der könnte so (oder so ähnlich) aussehn: 

Frage 1: Sind die Charakter sympathisch?

Frage 2: Ist der Plot logisch?

Frage 3: Sind die Szenen spannend?

 

 

Du kannst deine Fragen auch in W-Fragen verwandeln:

Welche Textpassagen sind dir zu langatmig?

Welcher Charakter ist dir zu blass?

War die Wendung vorhersehbar? 

 

 

Wie gut oder wie schlecht man mit der Kritik umgeht, die zu dieser Phase des Projekts auf einen einstützt, ist natürlich auch immer eine Typsache. Der Eine tut sich leichter damit, der Andere schwerer. Vergiss dabei bitte nicht, dass jede Rückmeldung eine subjektive Meinung ist und dass Aufforderungen, Änderungswünsche etc. nur Vorschläge sind. Am Ende bist DU der Autor und DU entscheidest, was davon umgesetzt wird und was nicht. 

 

Wann sollten Testleser miteingebunden werden? 

Dazu gibt es ganz unterschiedliche Meinungen. Ich habe Tipps gelesen, da wird einem dazu geraten, sofort die erste Version der Geschichte an Testleser zu geben. Somit kann man prüfen, ob die Geschichte beim Leser ankommt oder nicht, ohne dass man mühsam viel Arbeit hineingesteckt hat. 

Ich verstehe die Intension dahinter, bin aber selbst kein Freund davon. Ich denke folgendes darüber: 

Wenn du einen Roman schreibst, der sich über mehrere hundert Seiten erstreckt, dann merkst du je nachdem zu welcher Art Autor du gehörst, früher oder später, ob die Geschichte funktioniert oder nicht. Natürlich weißt du deswegen nicht, ob sie ankommt, aber würde sie nicht funktionieren, würdest du nicht ENDE unter deinen Text tippen. 

 

Für mich war es eine große Sache an potentielle Testleser heranzutreten. Ich fand ihre Bereitschaft mir bei meinem Projekt zu helfen, übrigens überaus motivierend. Als die Testleser dann gefunden waren, war es mir ein Anliegen Ihnen die best mögliche Version meiner Geschichte zur Verfügung zu stellen. Immerhin steckt unglaublich viel Arbeit und Herzblut in so einem Werk. Ja, natürlich sind Fehler drin, aber es tut keinem weh, die Geschichte durch die Rechtschreib- und Grammatikprüfung zu jagen. Außerdem habe ich meine Testleser gefragt, ob sie es gern gedruckt oder in digitaler Form haben wollen und habe mir dann die Mühe gemacht, das Manuskript für sie auf Papier zu bringen. Und jetzt darfst du lachen, denn hier kommen meine kleinen Manuskriptmonster:

 

Was Du links siehst, sind die Manuskripte.

Monströse Manuskripte. 

 

Als der DHL-Fahrer an jenem Samstagmorgen klingelte, wusste ich bereits, dass an diesem Tag meine bestellten Manuskripte geliefert werden sollten. Ich dachte noch "Der Typ braucht aber lange, die drei Stockwerke hinauf" und schob es auf meine Aufregung. Als er mir das Paket dann in die Hände gedrückte und es mich zu Boden riss, wusste ich, warum er so lange gebraucht hatte.

 

Oh mein Gott, Du kannst dir nicht vorstellen wie schwer dieses Paket war!

200g'er Papier, einseitig bedruckt.

Ein Monster wiegt unglaubliche 700g!

 

Was soll ich sagen ... Im Eifer des Gefechts :)

 

Kaum hatte ich den Karton in der Wohnung, rief ich meinen Mann an, um ihm von meinem Schatz zu berichten. Danach folgte eine kleine Tanzeinlage und ich bin sicher, die Katze hält mich heute noch für meschugge. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, ob ich mit der Auspackerei gewartet habe bis mein Schatz zuhause war oder nicht, aber ich kann mich daran erinnern wie ich in diesem Kreis aus weißen Büchern auf dem Boden saß. DIN A4, 233 Seiten dick. 

 

Ich konnte es kaum erwarten die kleinen Monster auf den Weg zu bringen. Als ich sie meinen Testleserinnen überreichte erntete ich erst einmal ungläubige Blicke und lautes Lachen. Aber he, das war okay! Ich kann wirklich sehr gut über mich selbst lachen, deswegen: Shit happend. Beim nächsten Mal, werde ich sicher keine kleinen Monster mehr produzieren. 

 

 

Die Zeit, in der meine Manuskripte im Umlauf waren, war für mich eine Zeit der Ungeduld. Ich habe mein Manuskript selbst natürlich auch (nochmal) gelesen und gemerkt, was es für einen Unterschied macht, ob man ein Buch am PC liest, oder auf Papier.

 

Deswegen empfehle ich Dir, es auszudrucken und noch einmal durchzulesen, ehe Du es an deine Testleser gibst. Testlesen ist Arbeit und sollte, da es sich im Prinzip eigentlich immer um einen Freundschaftsdienst handelt, so einfach wie möglich für die Testleser gemacht werden. 

 

Das Feedback aus dieser Zeit war einfach wunderbar.

Es mag mit meiner Einstellung zusammen hängen, denn ich wollte dieses Feedback. Wollte die Kritik und war bereit alles anzunehmen. Und das habe ich. 

Wir haben Plotlöcher entdeckt und besprochen. Wir haben uns Charaktere vorgenommen und hinterfragt, ob Dieses oder Jenes nötig ist um die Geschichte voran zu bringen, oder ob es die Story nicht eher behindert. 

 

Ich habe diese Zeit sehr geliebt! Ich habe es geliebt mich mit den Anderen über mein Buch auszutauschen. Wir haben Stunden mit Sprachnachrichten verbracht, sind gemeinsam über Textpassagen gesessen und haben in Lokalen mancher Kellnerin ein Schmunzeln entlockt mit unseren kleinen Monstern auf dem Tisch.

 

 Es war eine richtig tolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte. 

 

Kleine Anekdote:

Der kleine, dicke Mexikaner

 

Einer meiner Lieblinge bei Colorado Nights Sweet Disaster ist Maddox Garcia. Ein alleinerziehender Detectiv, der noch in weiteren Bänden eine Rolle spielen soll. Daher habe ich mir den Cop groß, durchtrainiert und sexy vorgestellt. So einen Typ Mann, der die Tür eintritt, wenn es hilft dich retten. Der dich über die Schulter schmeißt, auch wenn du gerade zehn Cheesburger und einen Käsekuchen verdrückt hast. Ein Mann, der dein Herz, deinen Körper und dein Hirn fi..     

Na ja, lassen wir das. Du weißt schon, was ich meine. Eben so, wie man sich den Helden in einem Liebesroman vorstellt. Allerdings hat Maddox in Sweet Disaster eher eine kleine Nebenrolle und wird nur am Rande angesprochen. Ich wollte ihn ins Spiel bringen. Neugier wecken ...

 

Ich erinnere mich noch lebhaft und mit einem Schmunzeln an eine zufällige Unterhaltung über ihn. Es ging um einen möglichen zweiten Band und wer von "meinen" Männern die männliche Hauptrolle übernehmen würde. Ich erzählte zwei von meinen Mädels von meiner "Maddox Idee" und dem Typen mit dem knackigen Hintern... 

 

„Knackiger Hintern...?“, fragte mich Anne und sah mich überrascht und nachdenklich an. Eine Pause trat ein und die Mädels wechselten einen vielsagenden, verwirrten Blick.

Okay, dachte ich, so bleibend war der Eindruck von Maddox dann wohl doch nicht.  

„Hä… Moment mal, von wem sprichst du?“, wollte Annchen wissen. (Meine gute Freundin, hat das Manuskript (ich glaube) fünf Mal gelesen und wenn Sie sich nicht an ihn erinnern kann, dann ist wirklich was schief gelaufen.) 

„Na von Detective Garcia“, stelle ich klar. Nicht dass ihre Verwirrtheit an meine Aussprache liegt. Ich war mir zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr sicher, ob ich seinen Vornamen erwähnt hatte, oder ob er in der Testleserversion schon Maddox hieß. 

„Du meinst den kleinen Mexikaner?“, fragt sie und Geraldine nickte zögernd zustimmend. Offensichtlich erinnerte auch sie sich an einen kleinen Mexikaner. 

„Kleiner Mexikaner?“, fragte ich nun verwirrt. Allgemeines schweigen. „Ich meine den Cop, der im Krankenhaus…“, setzte ich zur Erklärung an. (Wenn ihr Euer Buch so oft gelesen habt wie ich meines, dann kennt ihr wirklich JEDE Szene auswendig.)

„Ja genau. Der kleine, dicke Mexikaner…“, beendete Geraldine meinen Satz. 

„Im Buch kommt ein kleiner dicker Mexikaner vor?", fragte ich und musste nun ernsthaft überlegen von wem sie sprach? Hatte ich doch etwas überlesen? Hatte sich mein Unterbewusstsein selbstständig gemacht und etwas geschrieben, dass ich aus lauter Gewohnheit überlas? 

 

Schweigen, dann Gelächter.

 

Tja und was soll ich sagen...

 

Maddox wurde, nachdem er mit schmollen fertig war, weil die Mädels seinen muskulösen Körper in eine kleine runde Tonne verwandelt haben, generalüberholt. Ich habe seine Präsenz erhöht und so hoffe ich doch, auch seine sexuelle Ausstrahlung. 

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