Heute war der ersehnte Vortrag von Jace Bishop. Der Hörsaal war bis auf den letzten Platz belegt. Etwa zwanzig Professoren aus allen Fachrichtungen der Universität haben ihn besucht. Natürlich haben die sich Plätze in der ersten Reihe gesichert, wie du dir vielleicht denken kannst. Ich ärgere mich immer noch darüber, denn der Vortrag war für uns Studenten gedacht. 

Jace Bishop ist sowas wie ein Rockstar in unserer Branche, aber auch darüber hinaus, wenn ich mich in den Sitzreihen neben mir so umgesehen habe. Der Anteil der weiblichen Besucherinnen in einem Hörsaal in dem es ansonsten um Einsen und Nullen geht, war sprunghaft angestiegen. Was so ein paar Nullen vor einem Komma auf dem Bankkonto eines Mannes doch ausmachen *g*.

Ich muss zugeben, dass es nicht allein die Millionen (oder sind es Milliarden?) auf seinem Bankkonto sind, die diesen Mann so attraktiv machen. Ich schäme mich ein wenig es zuzugeben, aber auch ich bin seinem Charme erlegen. Dieser Mann sieht für meinen Geschmack aber auch unglaublich gut aus. Er kann seine Herkunft sowenig verbergen wie ich die meine, doch während ich es gewohnt bin unter dem Radar zu bleiben, spielt Jace damit. Er hatte doch tatsächlich eine Feder in sein langes Haar geflochten. Das er im übrigen offen trug. Ich schwöre, es gab keine Frau im Saal, die ihn nicht um diese schwarze, volle Mähne beneidete.

Sein Blick ist immer etwas streng, was an seiner Denkerfalte zwischen den Augenbrauen liegen könnte. Wäre der Mann in einem Lendenschurz und Kriegsbemalung auf einem Pferd in den Hörsaal geritten, niemand hätte das für seltsam gehalten und ich gehe jede Wette ein, die Frauen wären reihenweise in Ohnmacht gefallen. 

 

In seinem Vortrag, der übrigens sehr interessant war und sich mit den Herausforderungen bei der Erschaffung einer KI (also einer Künstlichen Intelligenz) befasste, hat er sich dann absolut verloren und würde wahrscheinlich noch immer reden, wenn man ihn nicht gestoppt hätte*g*. 

 

Ein Dämpfer hat mir die anschließende Fragerunde versetzt, bei der er sich ausschließlich an das männliche Publikum wandte. Zugegeben, der Anteil an Informatik-Studentinnen ist in Denver genau so gering (vielleicht sogar noch etwas geringer) als anderswo und die schmachtenden Blicke der Frauen um mich herum, gingen selbst mir auf die Nerven, aber schließlich war ich dort um mir einen fachlichen Vortrags anzuhören und nicht um mir einen Millionär (oder doch Milliardär? Ich muss dass gleich mal googeln) zu angeln. 

Als mir klar wurde, dass Jace mich in eine Schublade mit dieser Sorte Frau steckte, habe ich jegliches Interesse daran verloren ihm Fragen zu stellen. Dennoch blieb ich bis zum Ende und konnte so nicht nur Zeugin von vergeblichen Annäherungsversuchen meiner Geschlechtsgenossinnen werden, sondern diesen Mann in Aktion bewundern.

Er war wie ein Tsunami und hat keine fachliche Frage unbeantwortet gelassen. Dabei hat er jeden mit gerissen, der im Hörsaal war. Er hat alle Tafeln und Whiteboards vollgeschrieben, die die Universität ihm für den Vortrag zur Verfügung stellte. Bei der Beantwortung der Fragen war dieser Mann nicht mehr zu bremsen und hat das Publikum immer wieder miteinbezogen. Dabei kam er auf dem gesamten Podest herum. Ich glaube selbst die Jungs haben ein feuchtes Höschen bekommen *g*. 

Am Ende hat er allen Studenten versichert, dass Bishop Industries gute Leute immer brauchen kann und dass wir uns nicht davor scheuen sollen uns zu bewerben. 

Kannst du dir ein Leben im Valley vorstellen? Ich habe es versucht und bin kläglich gescheitert. Man hat nicht wirklich die Gelegenheit herauszufinden wie es dort ist. Es ist ja nicht so, als würden die Führungen anbieten. Alles was man hat um sich ein Bild zu machen sind die Gerüchte und die Fotos die in den Sozialen Netzwerken kursieren. 

Ich glaube mein Abendprogramm wird darin bestehen mich in die Sicherheitskameras zu haken um mich dort ein wenig umzusehen. Man hat schließlich nicht viele Multi-Milliarden-Dollar-Konzerne vor der eigenen Haustür.